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Klebe-Attacke auf Dresdner Sixtina

Dresden (dpa/sn) – Fast zwei Jahre nach ihrer Klebe-Attacke auf die «Sixtinische Madonna» in der Gemäldegalerie Alte Meister haben zwei Klimaaktivisten am Dresdner Amtsgericht eine mildere Geldstrafe als zunächst erhalten. Sie wurden am Mittwoch zu je 30 Tagessätzen à 20 Euro verurteilt, wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung. Der Richter hielt dem 23-Jährigen und der 24-Jährigen dabei zugute, dass sie die Tat vom 23. August 2022 gestanden und ausführlich ausgesagt haben, nicht vorbestraft sind und «moderater Schaden» entstand. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Die junge Frau und ihr Begleiter hatten im Sommer 2023 eine Geldstrafe in Höhe von 1500 Euro nicht akzeptiert und Einspruch gegen die Strafbefehle eingelegt. Laut Anklage entstand am Bilderrahmen von Rafaels Meisterwerk Schaden von knapp 2300 Euro, die Kammer ging nun von weniger als der Hälfte aus. Im September wird eine Zivilklage des Freistaates auf Schadenersatz verhandelt – nach Angaben des Landesgerichts fordert er mehr als 
10.000 Euro von den Angeklagten, auch für entgangene Einnahmen wegen der nötigen Galerie-Schließung. 

Die beiden Beschuldigten hatten zum Auftakt des Prozesses vor einer Woche erklärt, sie hätten angesichts der Auswirkungen der Klimakrise «möglichst viel Aufmerksamkeit» erregen wollen. Dazu hatten sie auf die Waldbrände in der Sächsischen Schweiz verwiesen. Die Staatsanwaltschaft forderte Geldstrafen von je 1200 Euro, die Verteidigung Freispruch. Sie sieht nur einfache Sachbeschädigung, die angeblichen Kosten seien falsch berechnet – und einfach der Kostenvoranschlag des Rahmenherstellers zu den geleisteten Arbeitsstunden der Restauratoren addiert worden.

Ihnen sei es «eben genau darum gegangen, die Schönheit der Kunst und die Kultur zu erhalten», sagten die Angeklagten in ihrem Letzten Wort. Sie hätten Bewusstsein schaffen wollen, «was unser Handeln für Folgen auslöst», seien für die Einhaltung der Gesetze. «Wir sind nicht gegen den Staat.» Der Richter gestand ihnen Idealismus zu – und dass sie «nicht bis zum Äußersten gegangen» seien. 

Die beiden Aktivisten hatten in der Gemäldegalerie mit Sekundenkleber je eine Hand am Rahmen des berühmten Altargemäldes von Raffael aus dem 16. Jahrhundert befestigt. Nach der Räumung des Museums, das für den Rest des Tages geschlossen blieb, löste ein Restaurator sie vom Rahmen. Wie zwei Museumsmitarbeiter vor Gericht sagten, brauchte es zur Beseitigung der Schäden an der Patina etwa 15 Arbeitsstunden.

Den von den Angeklagten geäußerten Vorwurf einer «Kriminalisierung» wies der Richter zurück: Sie selbst hätten es doch darauf angelegt, Öffentlichkeit zu erzielen, stellte er fest. 
Sie seien intelligent und könnten «ihre Ziele auch erreichen, ohne Straftaten zu begehen», gab er ihnen mit und warnte: «Wenn sie weiter solche Aktionen vorhaben, haben sie einen dornigen Weg vor sich.» 

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