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John Kerry: «Emissionen töten Menschen – schon heute»

Dubai/Reading (dpa) – Nach der EU und Dutzenden anderen Staaten haben sich auch die USA auf der Weltklimakonferenz zu einem weitgehenden Auslaufen der fossilen Energieträger Kohle, Öl und Stahl bekannt. Es gebe keinen anderen Weg, um bis 2050 die klimaschädlichen Treibhausgase auf nahe null zu drücken, sagte der US-Klimabeauftragte John Kerry auf dem UN-Treffen von knapp 200 Staaten in Dubai.

In einigen Sektoren werde man aber auf absehbare Zeit weiter fossile Energieträger brauchen, etwa in der Zement- und Stahlerzeugung. Hier müsse das Kohlendioxid dann aber abgeschieden und gespeichert werden.

Kerry betonte, die USA stünden zu den mit den G7-Staaten gefassten Beschlüssen, aus den fossilen Energien auszusteigen. «Wir haben immer wieder gesagt: Wir müssen tun, was wir tun müssen – nämlich auf die Wissenschaft hören.» Und die sage, dass die globalen Emissionen bis 2030 um 43 Prozent sinken müssten, um das 2015 in Paris vereinbarte 1,5-Grad-Ziel in Reichweite zu halten. Gemeint ist das Ziel, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen im Vergleich zur vorindustriellen Zeit.

Kerry sagte: «Diese Emissionen töten Menschen – schon heute!» Er verwies auf Klimaforscher, die ihr Leben lang an dem Thema arbeiteten und inzwischen alarmiert und verängstigt seien. Manche sprächen davon, man befinde sich nun auf «unbekanntem Terrain». Kerry zählte fatale Folgen der Erderhitzung auf wie das rapide schmelzende Eis an den Polen, Hitzerekorde und verheerende Waldbrände auf verschiedenen Kontinenten und schloss mit den Worten: «Also Leute, was mehr müsst ihr wissen?»

Heißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen

Alarmierende Fakten gab es indessen zur Halbzeit der Weltklimakonferenz: 2023 war global gesehen laut dem EU-Klimawandeldienst Copernicus das heißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Es sei praktisch ausgeschlossen, dass der Dezember daran noch etwas ändere, teilte Copernicus mit. Auf dem seit vergangener Woche laufenden UN-Treffen in Dubai (COP28) sagte Klimastaatssekretärin Jennifer Morgan, Deutschland streite weiter für ein «ambitioniertes Gesamtpaket». Dazu gehöre auch der unter den knapp 200 Staaten noch stark umstrittene schrittweise Ausstieg aus Kohle, Gas und Öl.

Laut Copernicus lagen die globalen Durchschnittstemperaturen 1,46 Grad über dem vorindustriellen Referenzzeitraum von 1850 bis 1900. 2023 sei bislang 0,13 Grad wärmer gewesen als die ersten elf Monate des bisherigen Rekordjahrs 2016. Morgan sagte, um die Erderhitzung wie 2015 in Paris beschlossen auf Dauer unter 1,5 Grad zu halten, müsse der weltweite Ausstoß von Treibhausgasen schnell sinken – um 43 Prozent bis 2030.

Zum Verhandlungsstand sagte Morgan, es gebe ein «gemischtes Bild» und noch lägen alle ehrgeizigen Optionen auf dem Tisch. Die Knackpunkte wie der Ausstieg aus den fossilen Energien würden nach einem Pausentag ab Freitag auch auf Ministerebene angesprochen. «Ein gutes Ergebnis ist möglich, aber es wird nicht einfach.» Nach Informationen von Umweltverbänden stemmen sich unter anderem der Ölstaat Saudi-Arabien und Indien, das stark auf Kohle setzt, gegen eine Verpflichtung zum Ausstieg aus allen fossilen Energien.

2400 Lobbyisten für Kohle, Öl und Gas

Zur Zahl von gut 2400 Lobbyisten für Kohle, Öl und Gas auf der COP28 sagte Morgan, dies zeige, wie «nah dran» die Welt an einem Beschluss sei, das Aus für fossile Energien zu besiegeln.

Die ugandische Klimaaktivistin Vanessa Nakate sagte, niemand solle sich von glitzernden Ankündigungen auf der Konferenz mit ihren rund 97.000 Teilnehmern ablenken lassen. Um Schäden und Verluste gerade in armen Staaten zu begrenzen, müssten alle neuen Projekte zur Produktion von Kohle, Gas und Öl gestoppt werden. Der Erfolg der COP28 zeige sich darin, nicht an Reden auf großen Bühnen. Auch die Klimaaktivistin Luisa Neubauer von Fridays for Future forderte erneut, die Konferenz müsse einen Ausstieg aus Kohle, Gas und Öl förmlich beschließen.

Das UN-Treffen soll am Dienstag enden. In den vergangenen Jahren sind Klimakonferenzen aber immer in die Verlängerung gegangen.

Dass das Jahr 2023 einen Rekord bei den Durchschnittstemperaturen aufstellt, war zuvor vermutet worden. So sprach die US-Klimabehörde NOAA Mitte November von einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 99 Prozent, dass das Jahr das wärmste seit 1850 werde. Gänzlich festgelegt hatte sich aber keine der relevanten Institutionen.

Weiterer Anstieg der Temperaturen

Und mit der Erhitzung des Planeten geht es auch weiter. Der Direktor Copernicus Climate Change Service (C3S), Carlo Buontempo, sagte: «Die Temperatur wird weiter steigen – und damit auch die Auswirkungen von Hitzewellen und Dürren.»

Erst am Dienstag hatte der Bericht zum globalen Kohlenstoffbudget («Global Carbon Budget») gezeigt, dass die globalen CO2-Emissionen durch fossile Energieträger wie Kohle, Erdöl und Erdgas weiter ansteigen. Sie erreichen demnach 2023 mit voraussichtlich 36,8 Milliarden Tonnen im Jahr einen Höchstwert. Das seien 1,1 Prozent mehr als 2022 und 1,4 Prozent mehr als im Vor-Corona-Jahr 2019.

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