Limburg (dpa) – Nach einer ersten Ausschreibung zum Einfangen von 200 Stadttauben läuft nun alles auf eine Tötung der Tiere hinaus. Zunächst war geplant, die Tiere zu fangen und an die Tierschutzorganisation Gut Aiderbichl zu übergeben. Auf eine entsprechende Ausschreibung sei jedoch lediglich ein Angebot eingegangen – mit einer erheblich über den kalkulierten Kosten liegenden Angebotssumme.
Kosten mehr als doppelt so hoch wie von der Stadt kalkuliert
Für das Einfangen und die Weitergabe der Tiere, die von Gut Aiderbichl in die Oberpfalz umgesiedelt werden sollten, hatte die Stadt ursprünglich rund 25.000 Euro veranschlagt. Die Angebotssumme habe mit 57.100 Euro jedoch deutlich darüber gelegen. Der Magistrat habe diese erste Ausschreibung deshalb in seiner jüngsten Sitzung aufgehoben, hieß es. Nun soll eine weitere Ausschreibung zum Einfangen und Töten von 200 Tauben folgen. Dies entspreche auch dem Bürgerentscheid aus dem Juni vergangenen Jahres, bei dem sich die Stimmberechtigten mehrheitlich für die Umsetzung eines entsprechenden Stadtverordnetenbeschlusses ausgesprochen hatten.
Das nun abgegebene Angebot basiert auf Tagessätzen für den Betreuungsaufwand von zwei Taubenfangschlägen, erläuterte eine Stadtsprecherin. Die Stadt habe eine maximale Einsatzzeit zum Einfangen und Unterbringen der Tiere von drei Monaten angenommen. Bereits Mitte vergangenen Jahres habe der Stadt ein Angebot eines anderen Anbieters vorgelegen, auf dessen Basis man deutlich niedrigere Kosten für das Einfangen und vorübergehende Unterbringen der Tiere angenommen habe, hieß es.
Heftige Kritik von Tierschützern
Dass die 200 Tauben nun doch der Tod drohe sei grausam und sinnlos, teilte der Deutsche Tierschutzbund mit. Und er kündigte Gegenwehr an: «Sobald nur eine Taube getötet wird, werden wir Strafanzeige erstatten», sagte die Fachreferentin für Stadttauben, Katrin Pichl, laut Mitteilung.
Sie forderte die Stadt auf, in langfristige Maßnahmen – wie die Errichtung betreuter Taubenschläge – zu investieren. «Sobald die Tiere dort Eier legen, können diese gegen Attrappen wie Gipseier ausgetauscht werden. So kann die Zahl der Stadttauben nachhaltig reduziert werden.»
Hintergrund der Maßnahmen ist ein Beschluss der Limburger Stadtverordneten aus dem November 2023 zur Dezimierung der Taubenpopulation, der für viel Wirbel gesorgt hatte. Im Gespräch war dabei eine Tötung der Tiere per Genickbruch. Die Entscheidung hatte Proteste von Tierschützern aus ganz Deutschland ausgelöst.
In ihrer Entscheidung hatte sich die Stadtverordnetenversammlung auf ein Urteil des Verwaltungsgerichtshofs in Kassel aus dem Jahr 2011 gestützt, das die Tötung von Tauben unter bestimmten Voraussetzungen zulasse. Eine Tötung sei demnach erlaubt, wenn Tauben als Schädlinge einzustufen seien. Tierschützer hingegen befürworten «ein nachhaltiges und tierfreundliches Stadttaubenmanagement».