Schwerin (dpa/mv) – Die Seeadler in Mecklenburg-Vorpommern brüten wieder. Die ersten Paare hätten Mitte Februar mit der Brut begonnen, sagte René Feige von der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Seeadlerschutz MV der Deutschen Presse-Agentur dpa. Der Durchschnitt beginne mit der Brut jedoch Mitte März. Die ersten Jungvögel schlüpfen demnach Ende März, die letzten Anfang Mai.
In den vergangenen Jahrzehnten sei eine Verlagerung des Brutbeginns nach vorn von bis zu 10 Tagen zu beobachten. «Die Auswirkungen des Klimawandels sind bei dieser Art deutlich nachzuweisen, da sie sich an der Laichzeit der Fische orientieren, welche immer früher beginnt», sagte Seeadler-Regionalkoordinator Feige.
Aktuell gibt es den Angaben zufolge 480 dokumentierte Seeadlerreviere in Mecklenburg-Vorpommern. Die Dunkelziffer liege aber sicher höher, sagte Feige. Die Schätzung lag demnach Ende 2024 bei 510 Paaren. Im vergangenen Jahr wurden 388 Jungvögel dokumentiert. 2019 waren es 297.
Seeadler standen am Rande des Aussterbens
Der Seeadler (Haliaeetus albicilla) zählt mit einer Flügelspannweite von bis zu rund zweieinhalb Metern zu den größten Greifvögeln Mitteleuropas. Er wurde jahrhundertelang mit Fallen und Schusswaffen verfolgt. Anfang des 20. Jahrhunderts waren Seeadler hierzulande fast ausgerottet. Durch das Verbot der Bejagung des Seeadlers in den 1930er Jahren und speziell seit dem Verbot des landwirtschaftlich eingesetzten Insektizids DDT in den 1970er Jahren hat sich der Bestand der Seeadler laut Feige deutlich erholt.
Heute leben in Deutschland nach Angaben der Naturschutzorganisation WWF wieder mehr als 1.000 Brutpaare. Die meisten von ihnen in Mecklenburg-Vorpommern. Sie sind landesweit wieder flächendeckend vertreten.
Seeadler finden in Mecklenburg-Vorpommern ideale Bedingungen
Dass sich die großen Vögel so wohl hier fühlen, liegt laut Feige zum einen daran, dass das Land durch Menschen nur dünn besiedelt ist. «Viele große Waldgebiete bieten zusätzlich gut geeignete Bruthabitate.» Zudem stehe in den vielen fischreichen Stillgewässern umfangreiche Nahrung zur Verfügung.
Darüber hinaus lasse eine Schutzzonenregelung um die Horste forstwirtschaftliche und jagdliche Aktivitäten nicht zu, sagte der Experte. Die Einhaltung der Gesetze werde vorwiegend durch das Ehrenamt überwacht, welches aus mehr als hundert aktiven Horstbetreuern besteht. «Die Kombination dieser Faktoren lässt einen weiteren Anstieg der Population auch in den nächsten Jahren erwarten.» Die natürliche Sättigungsgrenze sei bis dato nicht erreicht.
Bleimunition größte Gefahr für Seeadler im Nordosten
Sorge bereitet den Seeadlerschützern die Jagd mit Bleimunition, die in Mecklenburg-Vorpommern seit 2014 in den landeseigenen Forsten und den Nationalparks verboten, in privaten Wäldern aber weiterhin erlaubt ist. «Jeder vierte Seeadler stirbt an der Aufnahme bleihaltiger Munitionsreste, die in den in der Landschaft verbliebenen Resten geschossener Tiere enthalten ist», sagte Feige. Bleimunition sei damit die mit Abstand häufigste Todesursache für Seeadler im Nordosten.
Weitere Gefahren bestehen in der Nähe von Bahngleisen. An vielbefahrenen Strecken liegen oft von Zügen erfasste und verendete Tiere wie Rehe und Wildschweine, die von den Adlern gerne verwertet werden. «Die Geschwindigkeit heranfahrender Züge können die Vögel nicht einschätzen und werden entweder direkt getroffen oder gelangen in den Sog vorbeifahrender Züge», warnte Feige. Durch die Zunahme von Windkraftanlagen steige zudem auch die Gefahr, mit den Rotoren zu kollidieren.