Wiesbaden (dpa/lhe) – Sonne satt heißt es in Hessen – in den vergangenen Wochen und laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) auch in den kommenden Tagen. Des einen Freud‘, des anderen Leid: Spaziergänger und Sonnenanbeter freuen sich, Bauern und Binnenschiffer weniger.
Der DWD in Offenbach meldet einen der trockensten Monate März seit Messbeginn 1881 in Deutschland. Im Gegensatz zum überaus nassen Winter 2023/2024 ist schon im gerade vergangenen Winter 2024/2025 überdurchschnittlich wenig Regen und Schnee gefallen.
Trockenheit gut für Traktoren
Die Sprecherin des Hessischen Bauernverbands, Marie-Claire von Spee, sagt: «Es ist schon besorgniserregend, wenn es weiter so trocken bleibt. Aber aktuell würden wir noch keinen Alarm schlagen.» Für die Aussaat des Sommergetreides sei die Trockenheit zunächst gut gewesen: «Die Traktoren können besser fahren, wenn nicht alles nass und schlammig ist.» Für das Keimen von Getreide und Zuckerrüben sei jetzt aber mehr Bodenfeuchtigkeit wichtig: «Es wird Zeit, dass es wieder regnet.»
Auch das Feuerrisiko in Wäldern hat sich wegen der anhaltenden Trockenheit laut dem Landesbetrieb Hessenforst «drastisch erhöht». In einigen Regionen in Südhessen «besteht sogar eine hohe Waldbrandgefahr», teilt er mit. Die Kombination aus trockenen Böden, vertrocknetem Laub, Gras und Reisig begünstige dieses Risiko, ebenso eine erwartete Zunahme des Windes in den kommenden Tagen.
Rettungskräfte erspähen Waldbrand aus der Luft
Bei Hainburg im Kreis Offenbach entdeckte laut Polizei jüngst die Besatzung eines Rettungshubschraubers aus der Luft einen Waldbrand auf einer Fläche von etwa 50 mal 50 Metern. Hier laufen Ermittlungen wegen möglicher Brandstiftung. Bei Waldems im Rheingau-Taunus-Kreis gerieten circa 200 Quadratmeter Waldboden in Brand – die Feuerwehr setzte hier am Steilhang nach eigenen Angaben auch Leitern bei ihren Löscharbeiten ein.
Waldbrände schon im März
Nach dem auch sehr trockenen Februar hatte es bereits im März in Hessens Wald gebrannt, etwa in Hanau und Jossgrund. Das Forstministerium erinnert daher an das Rauchverbot in den Wäldern. Die dortigen Wege sollten nicht zugeparkt werden. «Trockene Grasflächen unter Fahrzeugen können sich durch heiße Katalysatoren und Auspuffrohre entzünden», ergänzt das Ministerium. Gegrillt werden darf im Wald nur auf ausgewiesenen Plätzen. Funkenflug soll vermieden und das Feuer ordentlich gelöscht werden.
Große Rhein-Tankschiffe können nicht mehr voll beladen werden
«Schon lange werden viele Schiffe auf dem Rhein nur noch zum Teil beladen», sagt der stellvertretende Leiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Bingen, Florian Krekel. Die Wettervorhersage deute nicht auf einen baldigen Wiederanstieg des Wasserspiegels hin. Im Gegenteil: Vorerst sollen die Pegelstände weiter fallen. «Größere Schiffe müssen sich natürlich früher anpassen», erklärt der Experte.
Vertiefung der Rhein-Fahrrinne geplant
Der für die Branche kritische Abschnitt von Europas verkehrsreichster Binnenwasserstraße ist das Rheintal in Teilen von Hessen und Rheinland-Pfalz. Zwischen Wiesbaden und St. Goarshausen gibt es sechs niedrige Fehlstellen, die langfristig beseitigt werden sollen, um hier wenigstens von garantierten 1,90 auf 2,10 Meter Tiefe in der Fahrrinne zu kommen. Viele moderne Tankschiffe könnten heute bei voller Beladung laut Krekel einen Tiefgang von 3,50 Meter erreichen.
In Erinnerung ist Binnenschiffern auf dem Rhein immer noch das extreme Niedrigwasser im trockenen Jahr 2018 – es soll in ihrer Branche im bundesweiten Wasserstraßennetz Milliardenschäden verursacht haben.
Weniger Insekten, weniger Vögel
Auch Tieren macht eine Frühjahrsdürre schwer und nachhaltig zu schaffen. Zu wenig Regen im Frühjahr ist vor allem für Insekten ein Problem, wie Markus Pfenninger von der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz kürzlich erklärt hat. Insekten sind die Nahrung vieler Vögel – somit leiden auch sie.
Hinzu kommen indirekte Folgen. Berthold Langenhorst, Geschäftsführer des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) in Hessen, weist beispielsweise auf die aus ihren afrikanischen Winterquartieren zurückkehrenden Schwalben hin: Für ihren Nestbau fehle der Lehm von Pfützen, wenn Feldwege lange trocken seien.
Amphibien brauchen Regen
«Schwierig ist die Trockenheit auch für Amphibien», sagt der Biologe. «Sie warten in ihren Winterquartieren auf Regen, damit ihre Haut nicht austrocknet.» Irgendwann wanderten sie aber doch los zu Gewässern zum Ablaichen.
Es gibt indessen auch Gewinner im Tierreich in einem trockenen Frühling, etwa Feldhasen, ursprünglich Steppenbewohner. Der Frühling ist ihre wichtige Geburtenzeit – und es überleben laut dem Mainzer Experten Pfenninger mehr Jungtiere, wenn es dann warm und trocken ist. In Dürrephasen mangele es allerdings auch Hasen an Futter.
Freude in Eisdielen
Apropos Gewinner: Freude herrscht auch in Eissalons. «Letztes Frühjahr hat es mehr geregnet. Jetzt merkt man gut, wie viel Lust die Leute auf Eis haben nach dem Winter», sagt Carlo Longhin von der Eisdiele in der kleinen Fußgängerzone in Eltville am Rhein. «Wir haben auch mehr zu tun als im Juli, dann haben sich die Leute schon wieder ans Eis gewöhnt.»
Seine Kollegin Maria Bogdan ergänzt: «Der Sonnenschein jetzt ist toll – 35 Grad wären auch zu viel, dann würden weniger Leute kommen.» Sie erinnert an den vielen Regen in Südeuropa in den vergangenen Monaten – das Wetter spiele infolge des Klimawandels auch verrückt.