Duisburg/Köln (dpa/lnw) – Wer in diesen Tagen den Garten umgräbt, stößt vielfach schon in Spatentiefe auf staubig-trockenen Boden: Nach zwei Monaten ohne nennenswerte Niederschläge droht Nordrhein-Westfalen örtlich Dürre. In den Wäldern herrscht lange vor dem Sommer schon fast durchgehend Waldbrandgefahr der mittleren Stufe drei und die Pegelstände am Rhein sind ungewöhnlich tief gefallen, sodass größere Schiffe nur mit deutlich weniger Ladung fahren können.
Nur zehn Liter Regen gab es im März im Landesdurchschnitt pro Quadratmeter – der niedrigste Wert seit fast 100 Jahren, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilte. Örtlich seien es im Münsterland und Rheinland im ganzen Monat sogar nur wenige Liter gewesen, sagt der Essener DWD-Meteorologe Thomas Kesseler-Lauterkorn – bei 65 Litern langjährigem Jahresdurchschnitt für den März. Auch im Februar wurde mit gut 20 Litern pro Quadratmeter weniger als ein Drittel des NRW-Durchschnitts erreicht.
Jungen Pflanzen drohen Schäden
«Für das Wachstum der jungen Pflanzen und für einen guten Aufwuchs des Wintergetreides wird dringend Wasser benötigt», sagt die Sprecherin des Rheinischen Landwirtschaftsverbandes, Simone Kühnreich. Besonders kritisch sei der Zustand des Oberbodens, der bis 25 Zentimeter Tiefe für junge Pflanzen wichtig ist. «Ohne Regen in den nächsten zwei Wochen könnten die Pflanzen geschädigt werden», sagt sie.
Doch der ist nicht zu erwarten: «Die nächsten zehn Tage passiert nicht viel», sagte Wetterkundler Kesseler-Lauterkorn am Dienstag. Bis Mitte April werde eine starke Tendenz für trockenere Bodenfeuchte-Bedingungen in fast ganz Deutschland vorhergesagt, warnte der DWD am Mittwoch.
Mitte Mai starte die Mais-Aussaat, sagte die Sprecherin des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes, Laura Hachmann. Sobald die Aussaat abgeschlossen sei, bräuchten die Pflanzen dringend Niederschläge, um zu wachsen.
Ein Drittel der Ladung bleibt liegen
Deutlich sichtbar ist die Trockenheit am niedrigen Pegelstand des Rheins. Er lag am Dienstag in Duisburg bei 2,73 Metern, das entspricht 3,26 Metern Fahrrinnentiefe, wie der Sprecher des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Rhein (WSA), Florian Krekel, sagte. In den Folgetagen sank er weiter.
Größere Schiffe mit vier Metern Tiefgang und mehr könnten deshalb nicht mehr voll beladen passieren, sagte Krekel. «Wenn wir unter drei Metern Pegel sind, laden wir etwas weniger und fahren häufiger», sagte ein Sprecher des Duisburger Stahlherstellers Thyssenkrupp Steel, der Eisenerz und Kohle aus Rotterdam bezieht.
Erste Einschränkungen gibt es auch im Kölner Hafen: Dort sollte am Freitag ein Güterschiff mit 1.800 Tonnen Steinsalz für die Chemieindustrie anlegen. Wegen des Niedrigwassers fahre das Schiff aber nur mit 1.200 Tonnen. Das fehlende Drittel müsse ein anderes Schiff übernehmen – mit zusätzlichen Kosten, sagte der Pressesprecher des Hafenbetreibers Rheincargo, Christian Lorenz. Dafür gebe es natürlich Grenzen – Schiffsraum sei nicht unendlich da und irgendwann rechneten sich die Fahrten auch nicht mehr.
Waldbrandgefahr steigt
Gefährlich werden kann die Trockenheit im Wald – denn dort steigt die Gefahr von Waldbränden. Schon Ende März warnte der Landesbetrieb Wald und Holz davor. Der Waldbrandgefahrenindex des DWD zeigt für Freitag durchgehend bereits die mittlere Gefahrenstufe drei von fünf.
Die erste NRW-Waldbrandüberwachungszentrale, die für den Niederrhein zuständig ist, sei im März schon wieder an vielen Tagen besetzt gewesen, sagt der zuständige Weseler Forstamtsleiter Julian Mauerhof. Die NRW-weite Piloteinrichtung arbeitet mit Überwachungstürmen und KI-gestützter Auswertung der Bilder, die automatisch an die Feuerwehren weitergegeben werden.
2024 sei es sehr nass gewesen, folglich habe es keine nennenswerten Waldbrände gegeben. Nun steige aber das Risiko, gerade in der aktuellen Zeit, in der die Bäume erst beginnen auszutreiben und die Sonne noch bis auf den Waldboden durchscheine, sagt Mauerhof.
Kommt nach dem trockenen Frühjahr ein Hitzesommer?
Bisher sei die Situation noch gut überschaubar, sagen der Essener Wetterkundler genauso wie der Forst-Fachmann. Bedenklich werde es aber, wenn das trockene Frühjahr den Auftakt für einen neuen Hitzesommer darstelle, so Kesseler-Lauterkorn.
«Für den Zeitraum Juni bis August 2025 wird eine moderate Wahrscheinlichkeit für wärmere Bedingungen erwartet», prognostizierte der DWD in einer Mitteilung vom Mittwoch – im Klartext: Es könnte heiß werden. Wetter- und Klimafachmann Kesseler-Lauterkorn betont: «Je trockener das Frühjahr, desto eher laufen wir im Sommer in Probleme.»